Donnerstag, 16. Juli 2009
Deine Mutter heisst Robert, ist 30 und rollt mit 'ner Glatze durch die Gegend..
Clayfield College Boarding School. - try to survive! Allzu dramatisch ist es nicht. Vorgestern war der erste Tag, an dem es so warm war, dass man problemlos den ganzen Tag in shorts haette rumlaufen koennen, ohne Bedenken zu haben, dass man in geraumer Zeit erfriert.. Pech fuer uns, ab ins Internat! Auf der Fahrt ein mehr oder weniger ruhiges Nickerchen absolviert, erreichen wir das Boarding House. Zwischen Gitterstaeben vor den Fenstern, Waschraeumen mit Metallduschen und wirklich kleinen Zimmern, die die Maedchen sich zu zweit teilen, sind wir heilfroh, als wir, die Glueckspilze schlecht hin, jeder ein Einzelzimmer mit seperatem Badezimmer haben. Hahahaha! Die Australier ein wenig neidisch, wir erleichtert. Nachdem wir unser Gepaeck sicher in unseren Zimmern verstaut haben, heisst es dinner time. Halb sechs abends... Als wir fertig sind, bekommen wir Bettwaesche und gewinnen sogar den Kampf mit unserer Matratze. Tatsaechlich aber, macht sich danach schon wieder der Hunger breit und so freuen wir uns sichtlich auf das supper. Dieses jedoch, stellen wir spaeter fest, besteht aus gerade mal einem Keks und einem halben Glas Milch.. Die Asiaten stuerzen sich sofort auf den Nachtsnack. Verblueffend. Zurueck im Zimmer fragen wir uns, was die Australier den lieben langen Tag so treiben. Duerfen sie ja nicht mal nachmittags raus und um neun Uhr geht das Licht im Flur aus.. Also starren wir um die Wette die Wand an und Amelie ist so verzweifelt, dass sie fruehzeitig schlafen geht. Ich allerdings versuche erst einmal mein Zimmer ein wenig wohnlicher zu machen. Schliesslich ist dieses fuer die naechsten sieben Tage mein "Zuhause". Ich suche mir also allmoeglichen Kram zusammen.. von meinem absolut gelungenem Schlangenfoto ueber ein buntes Taschentuch, bis hin zu Sonnenbrille und Grusskarten. Ich schaue mir noch ein paar Fotos an und typisch fuer mich, faellt mir kurze Hand meine Kameralinse hinter mein Bett. Gluecklicher Zufall, laesst sich das Bett ja so gut verruecken mit seinem tonnenschweren Gewicht. Ich haenge also ca. eine halbe Stunde ueber der Bettritze und versuche meine Linse mit saemtlichen Dingen (Pulliaermel, ipodkabel, Stift, Kleiderbuegel..) aus der Dunkelheit rauszukicken. Triumph!! Dieser Tag allerdings, war auch nicht gerade der meine. Angefangen damit, dass ich meine morgendliche Dusche missen musste, weil ich bemerkte, dass ich gar kein Shampoo mehr hatte, ging der Spass beim Fruehstueck weiter. Die "katinkarischen Gene" sind wohl mittlerweile auf mich uebergesprungen. Ihr muesst euch das so vorstellen. Ich, eine der Deutschen geht zu den sechs verschiedenen Mueslihaltern, oeffnet die erste Klappe und diese bricht ab. Wunderbar! Nach einem ausgiebigem Fruehstueck bestehend aus Toast, Spiegelei, Bacon und Kellogs, geht es weiter zu den lessons. Die schulische Tracht, der Knaller! Zum Glueck komme ich drum herum... Erstaunt sind wir darueber, dass das australische Leistungsniveau so niedrig ist, dass selbst wir, die Deutschen im Englischunterricht der zehnten Klasse, im buchstabieren besser abschneiden,als die einheimischen. Ein wenig hart, wenn man Woerter der eigenenen Sprache buchstabiert und darin auch noch Fehler macht.. Naja!Unglaublich! Mittlerweile sind schon zwei weitere Tage vergangen. Die Internatsleute sind sehr abgedreht und ziemlich experimentierfreudig, wie sie uns erzaehlen.. kein Wunder! Sind "verbotene Dinge" doch gleich noch interressanter hier im Gefaengnis.. Haare werden unter dem air conditioner getrocknet, der Name Amsterdam und die Frage nach dem Alkoholkonsum in Deutschland steigt, wir werden langsam immer freakiger... Aber hey, wen kuemmert's, wir werden unser geliebtes Heimatland doch eh wortwoertlich in den Schatten stellen (das junk food ist einfach zu ueberlebenswichtig). Das Chlorwasser verursacht Glatzkoepfe und wir werden vor lauter Langeweile und dicken Fressattacken bei unseren Eltern die Frage aufkommen lassen, warum diese uns nicht besser Robert genannt haetten.. Sport meine Freunde! Das ist es, was wir brauchen! Eigentlich gibt es hier ja genug Angebote, nur leider ist die Elite noch nicht mal im Stande einen Tennisball geradeaus zu schlagen.. Der Wind pfeift uns taeglich um die Ohren und die Vorfreude auf Cairns wird immer groesser. Trotz miesem Wetter...War uns doch tatsaechlich erlaubt die Wetterseite zu besuchen. Wirklich knifflig bei all den geblockten Seiten. Die Schueler sollen sich schliesslich ausschlieslich auf die Schule konzentrieren. Die Vorhersage fuer die uns angeprisen sonnig, warme Stadt lautet jedenfalls: Erster Tag.. 29 Grad, Gewitter.. zweiter Tag..27 Grad, Regen.. dritter Tag 28 Grad, Regen... Yippieh Yeih! Fuenf Wochen Australien und nicht ein Tag so perfekt, dass man sagen koennte: wow! Wir haben trozdem unseren Spass und versuessen uns die Stunden der Langeweile mit glaenzendem Sarkasmus. Der letzte Schultag wird morgen noch ueberwaeltigt und Montagmorgen heisst es dann dem "Frauenknast" mit dem Taschentuch hinterher zu winken. Das Aufholen der "deutschen Braeune" wurde mittlerweile schon auf Eis gelegt und der Traum von einer freien Tischordnung in der dinining hall verworfen. Man sollte die asiatische Gegenwart schaetzen. Vielleicht kann man ja noch Freundschaften knuepfen.. Nuetzlich allemal!